Mittwoch, 27. Januar 2016

Ehrliche Sonnendaten?

Nicht zuletzt die Affäre um ein gefälschtes Bild des Vorbeiflugs der ISS am Saturn durch einen deutschen Amateurastronomen, der dem Vernehmen nach aus Frust auch über das Wetter einfach Bilder zusammenmontierte, lässt die Frage aufkommen, wir ehrlich wir denn selber bei unseren Sonnendaten sind.
All zu oft verhindert das Wetter in Mitteleuropa eine Beobachtung der Sonne oder beendet sie mittendrin. Oder die Beobachtungsbedingungen sind so schlecht, dass man viele Details auf der Sonne erst gar nicht sieht. Im Internet sind für jeden Tag frei verfügbar Bilder in den gängigen Wellenlängen des Weißlichts und der H-alpha-Linie zu bekommen. Was läge also näher, gar nicht erst das Teleskop zu nehmen, sondern gleich die Bilder für die Ermittlung von Sonnenfleckenrelativzahlen zu verwenden?
Darüber wurde auf der letztjährigen SONNE-Tagung bereits diskutiert und festgehalten, dass eigentlich nur das zur Auswertung gelangen darf, was man auch wirklich gesehen hat, egal, wie die Bedingungen waren. Aber ganz so einfach ist es nicht. 

Jede Form der astronomischen Beobachtung wird von vielen Faktoren beeinflusst. Neben dem Seeing ist es der Stress, noch eine Beobachtung zu bekommen, bevor die Sonne hinter einem Baum oder Nachbarhaus verschwindet. Die körperliche Verfassung und auch der Stress von der Arbeit bilden nicht zu unterschätzende Faktoren. So kann es passieren, dass man kleine Fleckengruppen nicht sieht, weil man zu unkonzentriert ist. Oder man sieht sie nicht, weil man ein zu kleines Teleskop hat oder eine zu geringe Vergrößerung wählt. Also könnte man dann doch das Webbild der Sonne nehmen und die eigene Beobachtung ergänzen, bzw fehlende und nicht beobachtete Teile der Sonnenoberfläche nur flüchtig durchsuchen. Wäre das noch wissenschaftlich?

Wie wissenschaftlich ist es, wenn man nach dem Betrachten des Bildes noch mal ans Teleskop geht und gezielt nach einem kleinen Fleck sucht und ihn dann findet, obwohl man ihn vorher trotz sorgfältigster Beobachtung nicht gesehen hat. Und wie wissenschaftlich ist es, wenn man sich mit anderen Beobachtern austauscht und seine eigenen Werte daraufhin möglicherweise korrigiert?

Nun ist es etwas anderes, wenn man Daten „verbessert“, die in ein großes Netz fließen und dort zusammen mit anderen Beobachtungen ausgewertet werden, als wenn man Bilder manipuliert. Doch die Frage nach der Wissenschaftlichkeit der eigenen Daten bleibt. Ganz ausschließen - das war auch der Tenor der Diskussion auf der SONNE-Tagung - wird man es nie können, dass Beobachter ihre Daten in gewisser Weise, nennen wir es ruhig, manipulieren. 

Mir selber ist in den mittlerweile 23 Jahren, in denen ich die Hamburger Sonnengruppe leite, nur ein einziger Fall bekannt geworden und das dazu noch in einer Zeit, als es kein Internet gab. Woher die Datengrundlage damals stammte, konnte ich nicht ermitteln. Mir war nur aufgefallen, dass der Beobachter im Dezember, wo man in Hamburg selten mehr als 10 Beobachtungen zusammenbekommt, über 20 Datensätze ermittelte und Werte für die Ruhe und Schärfe von jeweils 2 angab. Die Auswertung der Daten über die Fachgruppe Sonne bestätigte die Manipulation: der Korrelationskoeffizient wies bei dem Beobachter für das 4. Quartal Minuswerte auf.

Solche Manipulationen sind anscheinend aber extrem selten, sie zeigen aber, wohin falscher Ehrgeiz und vielleicht auch der Wunsch, für kurze Zeit berühmt zu werden, führen können. Dass sich der Fotograf, dessen manipuliertes ISS-Bild vor dem Saturn sogar zum - inzwischen wieder entfernten - "Astronomy Picture Of The Day" (APOD) geführt hat, damit selbst diskreditiert hat, dürfte klar sein. Es zeigt aber auch, dass Amateure wie Wissenschaftler, Menschen sind, mit all ihren Facetten, mit Wünschen und Träumen und keine Heiligen!

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