Donnerstag, 14. April 2016

Sonne am 14.4.2016

Es war wieder nur eine einzige Quälerei: bei Sonnenschein arbeiten und zu Feierabend dicke Wolken und die auch nur direkt vor der Sonne, während der Resthimmel weitgehend wolkenfrei war. Schlimmer noch: die Grenze zwischen einer größeren Wolkenschicht und klarem Himmel verlief genau ein paar Kilometer nördlich von mir. Ich saß natürlich wie immer unter Wolken. Später ergaben sich dann tatsächlich noch ein paar winzige Lücken, aber auch diese waren nicht störungsfrei, denn permanent zogen Wolkenfetzen durchs Bildfeld. Es war also wieder nur Wolkenlückenastronomie - gibt es überhaupt noch eine andere? - möglich. Dabei war das Seeing erstaunlich gut, was man bei der schnellen Wolkenbewegung eigentlich gar nicht erwarten würde.

Im Weißlicht dominierte nach wie vor die AR 12529, die ich vormittags wieder bequem durchs Bürofenster - ungestört durch Wolken - mit meiner Sofibrille beobachten konnte. Im Fernrohr zeigte sich in der Umbra eine kräftige Lichtbrücke vom Typ c nach der Hilbrechtschen Klassifikationdie sich offenbar seit gestern (?) so langsam auf den Mittelpunkt der Gruppe voran arbeitet. Prinzipiell könnte sie den Fleck teilen, das muss man mal abwarten und in den nächsten Tagen weiter beobachten, wenn das Wetter einen denn lässt. Die Penumbra war auch durchaus interessant, zeigte sie doch zwei kleine, in sie eingebettete Flecken und einen ziemlich zerfaserten Rand

Zu dieser großen Gruppe gesellten sich noch zwei weitere, westlich die AR 12530, von der nur noch eine A1 übrig geblieben war, die zudem nur schwer auszumachen war. Die neue AR 12531 war ebenfalls eine A1. Beobachter mit besseren Bedingungen hatten sie schon gestern sehen können, ich hatte zu dem Zeitpunkt nur Syph und einen wallenden Sonnenrand, der ein Erkennen unmöglich machte.
Nach der Weißlichtbeobachtung musste ich fast eine Stunde warten, bis die Sonne wieder aus den Wolken rauskam - ringsum war der Himmel immer noch schön blau -, doch viel zu sehen gab es nicht, da trotz guten Seeings kaum Einzelheiten auszumachen waren. Am Rand erkannte ich 6 Protuberanzen, von denen zwei am West- und eine am Ostrand tatsächlich mal etwas auffälliger waren. Zwei helle Flaregebiete umrahmten die AR 12529, deren Umbra auch im H-alpha-Licht als dunkler flächiger Punkt zu sehen war. Darüber hinaus gab es nur 6 kleine Filamente und nur eines im Südwesten war auch mal etwas flächiger.

Im Netz schnappte ich heute einen Vergleich der Fleckengruppe mit dem Merkur auf. Der wird aber wesentlich weniger auffallen: die Fleckengruppe durchmisst gut 65.000.km, der Merkur, der ja im Mittel nur 58 Mio. km von der Sonne entfernt steht, weist nur einen Durchmesser von gut 4880 km auf. Auch ohne große Berechnungen wird klar: Der Merkur wird wesentlich kleiner erscheinen als der aktuelle Sonnenfleck. Man kann getrost davon ausgehen, dass Merkur scheinbar nur rund 25% so groß sein wird, wie die Venus beim Transit. Mit anderen Worten: Mit bloßem Auge und wird man ihn vor der Sonne kaum erkennen können.

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