Sonntag, 15. Mai 2016

Sonne am 15.5.2016

An manchen Tagen frage ich mich, warum man sich einer durchaus anspruchsvollen Freizeitbeschäftigung hingibt, wenn einem dabei alles Knüppel zwischen die Beine geworfen werden. Am heutigen Morgen gab es wieder so einen Moment: ich hatte bei nahezu wolkenlosem Himmel mein Teleskop auf dem Dachboden aufgebaut und während ich das Teleskop auf die Sonne ausrichtete, wurde sie durch Wolken verdeckt. Wo kamen die denn her? Einen Moment zuvor hatte ich keine einzige gesehen und nun staute sich alles Richtung Sonne. Zum Glück zogen sie nach wenigen Minuten wieder ab und ich konnte mich dem „Virus Solaris“ hingeben, dennoch, die ganzen Murphereien der letzten Monate gehen mir langsam auf den Geist.

Und es war noch nicht zu Ende: Anfangs sah ich noch ein von ruhigem Seeing gekennzeichnetes Bild der Sonnenoberfläche im Weißlicht, das mir zunächst die neue AR 12546 als große H1-Gruppe zeigte. Sie dürfte in den kommenden Tagen mit einer Sonnenfinsternisbrille auch mit bloßem Auge zu sehen sein. Noch steht sie aber zu dicht am Ostrand. Die AR 12544 war nur noch eine C14 - zumindest konnte ich keine Penumbren im f-Teil sehen - und auch „der rest“ hatte sich zurückentwickelt. Die AR 12542 war nur noch eine C3, die 12543 eine J1 und die 12545 eine C5.

Schon während der Weißlichtbeobachtung merkte ich, wie der Himmel langsam zuschleimte und der Kontrast in den Keller ging. Dennoch wagte ich einen Blick ins H-alpha-Licht. Wie zu erwarten, war der Hintergrund hellorange und auf der Oberfläche kaum etwas zu sehen: die Sonne stand schon wieder in einer Syphschicht, die meine Beobachtung extrem erschwerte. Es gab allerdings doch noch ein paar kleinere Lücken, durch die ich im Schnellverfahren 6 Protuberanzen - die meisten am Westrand -, 6 helle Flaregebiete - das hellste genau in der Mitte der Sonnenscheibe - und 8 kleine Filamente erkennen konnte. Dann zog es blitzschnell zu und die Sonne verschwand für längere Zeit hinter Wolken …

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