Sonntag, 22. Mai 2016

Sonne am 22.5.2016

Keine 24 Stunden waren seit der letzten Beobachtung vergangen, doch die Hoffnung, heute unter ähnlich guten Bedingungen die Sonne beobachten zu können, verflog schnell, als ich das erste Mal durchs Teleskop schaute: der Rand wallte heftig und auf der Oberfläche blubberte es munter vor sich hin. Ein gewohntes Bild und leider die Regel an meinem Standort. Das gute Seeing gestern Abend war die Ausnahme. Besser wurde es zwischendurch bei immer wieder mal und so konnte ich zumindest im Weißlicht einigermaßen gut beobachten.

Es war ohnehin nur eine Aktive Region zu sehen: die große AR 12546, die ich zuvor mit meiner Sofibrille auch mit bloßem Auge sehen konnte. Abermals klassifizierte ich sie als H6. Der »Rest« war fleckenfrei. Auch ds konzentrierte Absuchen des Ostrandes förderte keine neue Gruppe zu Tage, nur ein paar durchschnittlich große Fackelfelder, in denen sich aber kein kleiner Fleck versteckte.

Gruselig wurde es mit der Beobachtung im H-alpha-Licht. Die Sonne stand zwar in einer leichten Syphschicht, während der übrige Himmel wolkenlos-blau war, doch das behinderte extrem die Beobachtung. Der Himmelshintergrund war hellorange gefärbt, was immer schon ein schlechtes Zeichen ist. Nur mit Mühe konnte ich am Rand 4 Protuberanzen sehen: zwei minimal größere im Südosten, ein über der Oberfläche schwebendes Teil im Nordwesten sowie eine kleine Erhebung im Norden. Die 4 Flaregebiete – das auffälligste rund um die AR 12546 – waren noch einigermaßen zu erkennen, doch bei den Filamenten wurde es schon bedeutend schwieriger. Bei den ziemlich regellos verteilten 14 Exemplaren musste ich mehrmals zählen, um bei dem Seeing auch wirklich alle zu erfassen. Dabei wiesen sie durchaus interessante Strukturen auf: eine kleine Kette im Norden, ein sich erhebender Bogen nahe dem Westrand, aber auch viele, die nahezu punkt- oder nur ganz geringfügig flächenförmig waren, was mit den weitgehend unstrukturierten und nur noch in kleinem Umfang vorhandenen lokalen Magnetfeldern zusammenhängt. Ein typisches Verhalten in einem sich dem Ende nähernden Fleckenzyklus.

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