Freitag, 10. Juni 2016

Sonne am 10.6.2016

Schon wieder war die Beobachtung mit einer Unzahl von murphologischen Ereignissen begleitet. Zunächst begann der Tag mit einem schön klaren Himmel. Just zu dem Zeitpunkt, als ich das Teleskop auf dem Boden aufbauen wollte, kamen dichte Wolken auf und verhinderten die Beobachtung, nur um eine Stunde später den Himmel wieder völlig freizugeben. Da aber konnte ich wegen meiner naturgemäß immer höher wachsenden Bäume nicht mehr beobachten und somit musste ich 5 (!) Stunden auf die nächste Gelegenheit warten, bis die Sonne auf der anderen Seite des Hauses zu sehen war. Natürlich – warum passiert eigentlich nur mir das (?) - eilten mehrere Wolken herbei, als ich gerade das Teleskop auf der Fensterbank aufgestellt hatte. Eine weitere halbe Stunde ging verloren, weil alle Wolkenlücken zu klein waren oder seitlich an der Sonne vorbeigingen. Damit aber nicht genug. Zum Glück war das Seeing einigermaßen ansprechend, sodass ich dann auch endlich mal mit der Beobachtung beginnen konnte.

Im Weißlicht hatte sich die AR 12552 völlig verändert und jegliche, bipolare Struktur verloren und war nur noch eine H8, die aus mehreren Penumbren und einigen Flecken außerhalb des Hofgebietes bestand. Sie stand schon nah am Westrand, sodass man spekulieren konnte, ob nach ihrem Verschwinden wieder eine fleckenfreie Sonne kommen würde. Zum Glück war genau heute am Ostrand eine neue Gruppe erschienen, die wohl die Nr. 12553 bekommen wird und die sich zunächst als H1 präsentierte. Möglicherweise ist sie die alte AR 12551 bei einer zweiten Rotation. Genaueres kann man nur durch die Bestimmung der Positionen herausbekommen.

Als ich dann das Teleskop von der Fensterbank nahm, schlug Murphy erneut zu. Das Zenitprisma, obwohl bisher kaum bewegt, drehte sich nach unten und warf das Okular raus, dass zunächst auf die Heizung, dann auf einen Tisch und schließlich auf den Boden fiel. Anscheinend ist es aber heil geblieben, ich konnte von außen her keinen Glasbruch etc. erkennen und bei einer anschließenden Probebeobachtung schien alles in Ordnung zu sein. Ich nahm das PST, stellte es auf die Fensterbank und schwupp, waren die nächsten Wolken da. Wieder musste ich geraume Zeit ausharren – draußen liefen grölende stark angetrunkene Fussballfans vorbei, beachteten mein Treiben aber nicht – und als ich endlich weitermachen wollte, kam ein Windstoß und fegte meinen Beobachtungszettel fast aus dem Fenster. Als auch das überwunden war, kamen wieder Wolken …

Schließlich kam ich dann doch noch zu einer Beobachtung im H-alpha-Licht. Am Sonnenrand standen 9 sehenswerte Protuberanzen – die in der Nähe der beiden Aktiven Regionen waren besonders reizvoll, wenn auch klein und ruhend -, während auf der Oberfläche bei diesen auch zwei Flaregebiete zu sehen waren. Beim Zählen kam ich dann noch auf 8 Filamente – 7 davon am Westrand und 1 genau da, wo die neue Fleckengruppe erschienen war.

Am Ende war ich froh, die Beobachtung geschafft und unfallfrei überstanden zu haben. Natürlich ist der Himmel beim Entstehen dieser Zeilen wieder wolkenfrei ...  

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