Sonntag, 26. Juni 2016

Sonne am 26.6.2016

Stolz hatte ich gestern noch verkündet, dass ich in einem Fackelfeld einen einzelnen Fleck gesehen hatte und das es eine dicke Einkerbung am Rand gab, die einen neuen großen Fleck ankündigte. Nichts davon hatte sich heute bewahrheitet. Da war ich wohl einer dicken Sinnestäuschung aufgesessen oder es war der Wunsch der Vater des Gedanken, hier etwas sehen zu wollen. In der Tat kann einem auch das Seeing war vorgaukeln, was nicht da ist, oder kleine Fehlstellen in der Granulation, die ich aber mit meinem kleinen 80/400er Refraktor ohnehin nicht sehen kann, weil die granularen Zellen in der Regel kleiner sind, als das vom Seeing beeinflusste Auflösungsvermögen dieses Beobachtungsgeräts. Somit werde ich, was eigentlich nicht sein soll, meine gestrige Beobachtung als Irrtum einstufen und die Beobachtung abändern. Ein Restzweifel war ohnehin geblieben.

In Zeiten geringerer Sonnenaktivität und kleiner Fleckengruppen schaut man einerseits zwar intensiver hin und man sollte immer vor allem den Ostrand absuchen, einerseits meint man, Flecken gesehen zu haben, andererseits übersieht man welche. Für Beobachter mit kleinen Instrumenten eine vertrackte Situation, während sich für Leute mit größeren Optiken die Frage stellt, ob man gerade einen einzelnen Fleck oder eine Pore sieht, die bei der Relativzahlbestimmung unberücksichtigt bleibt. Es wird im Minimum eben nicht alles einfacher!

Dafür musste ich heute wieder einige dicke Murphereien aushalten. Zunächst wachte ich unter einem teilweise klaren Himmel auf und hoffte schon auf eine Beobachtung zu früher Stunde, auch, um die gestrige zu verifizieren. Doch rechtzeitig kamen Wolken und gaben die Sonne erst wieder frei, als sie unerreichbar hinter Bäumen stand. Nun hieß es wieder gut 5 Stunden warten, bis die Sonne auf der anderen Seite des Hauses rauskam. Selbstredend, dass es in dieser Zeit immer sonniger wurde.

Schließlich war es soweit, doch ich musste mich beeilen, weil aus Richtung Westen dichtere Bewölkung herankam. Zum Glück schaffte ich die Beobachtung, kurz bevor sie schließlich eintraf. Das Seeing war entsprechend unruhig, der Rand war mal vollkommen ruhig, mal wellenartig verformt. Und egal, wie ich es anstellte, das gestern noch sehr deutlich zu sehende Fackelfeld war schwächer geworden und darin konnte ich keinen Fleck mehr sehen. Auch andere Gebiete und der gesamte Ostrand waren ohne die kleinen lokalen Störzonen. Daher war meine heutige Relativzahl abermals Re = 0.

Im H-alpha-Licht war vor allem der Ostrand sehr interessant. Hier reihten sich gleich mehrere Protuberanzen aneinander und von einer ging immer noch eine kleine Filamentkette aus. Am Westrand standen dann noch zwei etwas größere Materiebögen und einen kleinen entdeckte ich ebenfalls im Osten, sodass ich am Ende auf 7 Erscheinungen kam. Die Oberfläche war hingegen sehr ruhig. Neben zwei unscheinbaren Flaregebieten sah ich 9 Filamente, während der größte Teil der Oberfläche weiter erscheinungsfrei war, passend zur Weißlichtaktivität.

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