Montag, 4. Juli 2016

Sonne vom 1.-3.7.2016: Sonnenbeobachtung in Kirchheim

Vom 2. bis 3. Juli 2016 fand auf der Volkssternwarte Kirchheim in Thüringen die 38. Sonnentagung der VdS-Fachgruppe Sonne statt und dabei konnte endlich auch mal kräftig beobachtet werden.

Um nicht allzu großen Reisestress aufkommen zu lassen, fuhren wir bereits am Freitag los. Mein Plan, noch vor der Abfahrt zu einer Beobachtung zu kommen, scheiterte wieder am Wetter. Vorhergesagt war ein sonniger Vormittag, es kam ein bedeckter. So konnte ich erst am Nachmittag zu meinen Relativzahlen kommen. Die Sternwarte bietet den enormen Vorteil, dass man ringsum eine freie Horizontsicht hat, was ich an meinem Standort in der Stadt mit Bäumen und Hochhäusern sehr vermisse. Am 2. konnte ich noch bevor die anderen Anwesenden Teilnehmer wach waren, um 5:00 UT beobachten und auch vor der Abfahrt am 3. gelang mir vor dem Frühstück um 6:10 UT eine Beobachtung, wobei hier ebenfalls Wolken herumstressten.

Im Weißlicht hatte sich an den drei Tagen nichts getan, es gab nur eine fleckenfreie Sonne zu sehen. In den Instrumenten der Sternwarte, insbesondere dem Takahashi-Refraktor TOA 130/1000mm mit Herschelkeil war leicht westlich des Sonnenmeridians »etwas« zu sehen. Einige Beobachter sahen dort eine Struktur, die einer B-Gruppe ähnlich sah, andere sahen hier nichts oder nur eine kleine A. In kleineren Teleskopen war entweder gar nichts oder nur andeutungsweise was zu sehen und so richtig eindeutig war es im 130/1000er auch nicht wirklich. Es gab sogar noch einen anderen Effekt: Mehrere Beobachter sahen am Sonntag gleich mehrere dunkle Punkte, die anscheinend hin- und hersprangen, aber das waren wohl Wahrnehmungsartefakte, denn Flecken waren dort, selbst auf den Aufnahmen des SDO-Satelliten nicht zu sehen. Sehr wohl zeigten die Satellitenbilder aber bei extrem hoher Vergrößerung »etwas« an. Nur richtig klar war auch das nicht, weshalb ich an allen Tagen eine Relativzahl von Re = 0 verzeichnete.

Im H-alpha-Licht erkannte man zwischen 6 und 7 Protuberanzen, entweder gar keine oder nur zwei winzige Flaregebiete sowie überaus spannende Filamente. Diese wanderten in einem regelrechten Pulk von Nordosten nach Südwesten über die Sonnenoberfläche, bildeten extrem lange Ketten und wunderschöne Bögen, die aber zunehmend zerfaserten und in einzelne Teile zerfielen. Ihnen folgten dann keine weiteren Filamente und Flaregebiete, sodass mit der Rotation der Sonne aus dem Osten nichts Neues herankam. So war am 3. beispielsweise die komplette südliche Hälfte der Sonne erscheinungsfrei. Bezeichnend, dass keine Fußpunkte der langen Filamente mit Flecken im Weißlicht assoziiert war, was trotz der enormen Größe der Filamente, die bei Erreichen des Westrandes zu großen Protuberanzen führen kann, auf sehr schwache lokale Magnetfelder hindeutet. Ganz im Sinne einer abnehmenden Aktivität im langsam zu Ende gehenden 24. Sonnenfleckenzyklus.

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